Bio-Siegel – Fluch oder Segen?

bio-siegel und food-siegel: fluch oder segen?

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Bio, regional, fair, vegan, veggie und und und… die Anzahl der Bio-Siegel und Food-Siegel, die uns Verbrauchern helfen sollen, die „richtigen Entscheidungen“ zu treffen, wirkt schier endlos.

Unglaublich, aber 2016 gab es mehr als 300 Bio-Logos in den deutschen Supermärkten. Dazu kommen noch die diversen Marketing-Siegel, die uns darüber informieren sollen, dass dieses und jenes Produkt vegan ist oder aus der eigenen Region stammt.

Aber ist tatsächlich Bio gleich Bio, regional gleich regional, vegan gleich vegan…? Oder doch nur cleveres Marketing der Lebensmittelkonzerne, um uns ein besseres Gewissen zu verschaffen und so unserer Einkaufsverhalten zu beeinflussen?

Tatsächlich kommt diese beachtliche Anzahl an Bio-Siegeln nur deswegen zustande, weil die Marketingabteilungen der Lebensmittelkonzerne, aber auch die der großen Einzelhändler, ihre eigenen Bio-Siegel und Logos entwerfen (dürfen). Zu den bekannteren Bio-Logos dürften Bio Smiley (Aldi Süd), GutBio (Aldi Nord), Bio (Lidl), REWE Bio, Edeka Bio, BioBio (Netto) und Naturgut (Penny) zählen. In den wenigsten Fällen erfüllen diese Marketing-Siegel, so möchte ich sie mal nennen, mehr als die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung.

Wollen wir alle nur noch Bio?

Seit dem Bio-Produkte nicht nur mehr in Reformhäuser und Naturkostläden zu finden sind, sondern mittlerweile auch in den Regalen von Discountern und Supermärkten, heisst es “Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen”.

Wirklich?

Tatsächlich wurden 2015 lediglich 9% aller Landwirtschaftsbetriebe ökologisch bewirtschaftet. Diese gut 20.000 Bio-Höfe wiederum bewirtschaften gerade mal 6,4% gesamten landwirtschaftlichen Fläche.*

Bio ein Boom?

Die Zahlen – zumindest für 2015 – sagen etwas anderes:

Tatsächlich entfallen lediglich 4,4% des gesamten Lebensmittelumsatzes auf Bio-Produkte (8,62 Mrd. Euro, 2015). Statistisch betrachtet gibt demnach jeder Deutsche weniger als 100 Euro im Jahr für ökologisch produzierte Produkte aus.*

Ein schnelles Rechenbeispiel:

Wir sind zu dritt. Demnach würden wir – der Einfachheit halber – 300 Euro im Jahr für Bio-Produkte ausgeben. Im Schnitt kostet mich ein Wochenend-Einkauf 110 Euro. Hochgerechnet auf 53 Wochen macht das knapp 6.000 Euro im Jahr. Somit entfallen – statistisch betrachtet – gerade mal 5% meiner Ausgaben für Lebensmittel auf Bio-Produkte.

Und jetzt mal mit der Kaufmannsbrille nur die nackten Zahlen betrachtet: Bio ist kein Boom. Bio ist Nische. Noch immer.

Dieser Umstand und die höheren Kosten, die eine eine ökologische Bewirtschaftung mit sich bringen, könnten ein Grund sein, warum nur wenige Landwirte bereit sind, ihren Betrieb umzustellen.

Ein weiterer Faktor: Der Niedrigpreis-Druck ist auch im Bio-Bereich angekommen.

Denn auch im Bio-Bereich bestimmt mittlerweile nur der Preis. Und so beziehen insbesondere Discounter, aber auch die großen Einzelhandelsketten einen Großteil der Bio-Lebensmitteln aus dem Ausland. Und weil diese Produkte oftmals billiger sind, können lokale Erzeuger ihre Produkte nur schwer absetzen.

Bio aus dem Ausland

Und so kommen Bio-Produkte, insbesondere jene mit dem EU-Bio-Siegel, schon mal von etwas weiter her: die Bio-Kartoffel aus Ägypten, der Bio-Ingwer aus China und Bio-Kaffee aus Äthiopien.

Während die Herkunft bei diesen Produkten noch relativ einfach nachzuvollziehen ist, wird es bei verarbeiteten Bio-Lebensmitteln so schwieriger. Es ist mindestens mit großem Aufwand verbunden oder schlicht unmöglich.

Da stellt sich mir die Frage: Ist da wirklich noch Bio drin, wo Bio draufsteht? Inwieweit kann man den Bio-Siegeln Glauben schenken und Bio-Produkte guten Gewissens kaufen?

Ja, ich kaufe Bio-Produkte. Auch mal beim Discounter. Aber guten Gewissens? Nein. Denn wenn ich ehrlich bin, ist da auch immer ein Zweifeln im Hinterkopf. Ein wirkliches Vertrauen in diese Produkte habe ich nicht – Siegel hin oder her. Und Produkte, die von weit herkommen oder deren Herkunft ich gar nicht nachvollziehen kann, kommen allerdings nicht in meinen Einkaufswagen. So ziehe ich beispielsweise die “Nicht-Bio”-Äpfel aus dem Alten Land dem Bio-Apfel aus Spanien vor.

Da ich wissen wollte, wie andere zu dem Thema stehen, habe ich vier, von mir sehr geschätzte, Foodblogger um Ihre Meinung zu diesem Thema gebeten.

„Wie viel Vertrauen schenkst Du Bio-Siegeln und welche Rolle spielen sie bei deinem Einkaufsverhalten“?

Hinweis: Die nachfolgenden Meinungen sowie die Inhalte sind unzensiert und entsprechen der Meinung der einzelnen Teilnehmer dieses Roundups und spiegeln nicht meine eigenen Meinung wieder.

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Franz Emeder

Sie spielen absolut keine Rolle

Bio und Öko führen sich selbst ad absurdum, wenn sie in Plastik verpackt neben ihren „bösen“ Pendants im Regal schlummern. Zumeist kommen diese „guten“ Lebensmittel auch noch von sehr weit her. Bio-Gurken aus Spanien, Bio-Kopfsalat aus Ägypten um nur einige Beispiele zu nennen. Auch andere „Gütesiegel“ lassen sich, mit etwas, Recherche schnell entlarven. Der Großteil davon zielt nur darauf ab uns, neben dem medial eingeredeten schlechten Gewissen, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Etwas Hausverstand ist wirkungsvoller als jedes Siegel.

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Robert Mayer-Scholz

Bio und regional = normal

Für mich als „Hausmann“, der noch ohne jedes Bio-Bewusstsein aufgewachsen ist, ist es heute – vor allem mit dem Hintergrund einer Hauswirtschaftlichen Ausbildung- selbstverständlich, dass ich auf entsprechende Qualität meiner Produkte achte. Dabei ist nicht immer das „Bio-Siegel“ ausschlaggebend. Bio-Siegel dienen mir als Orientierung; auch ist es mir zu aufwendig mit diversen Bio-Verbraucher-Apps durch den Supermarkt zu gehen. Mit etwas Interesse dürfte es jedem möglich sein, sich zu den einzelnen Qualitätssiegeln einen Überblick zu verschaffen. Der Blick auf die Rückseite und damit auf die Deklaration von Produkten, deren Inhaltsstoffe, ist selbstverständlich. Teurere Produkte aus dem Bio-Sortiment lassen sich wunderbar mit dem gezielten Einkauf der Menge kompensieren, die ich auch wirklich brauche. Große abgepackte Mengen sind daher in der Regel tabu; bevor ich hier Produkte wegwerfe, gehe ich gezielt genau die Menge im Markt oder aus dem losen Sortiment im Bio-Supermarkt kaufen, die ich auch wirklich brauche. Da ich weder Vegetarier bin noch Veganer, stellt sich natürlich für mich auch die Frage, wie ich mit dem Einkauf von Fleisch und Fisch umgehe. Grundsatz bei mir: Regional und nachhaltig. Ich denke, dass JEDER die Möglichkeit hat, hier Wege zu finden. Mein Geflügel kaufe ich z.B. meist ohne „Bio-Zertifikat“, dafür in einem Markt-Geschäft, das in der Region selbst die Tiere aufzieht, sie frei laufen lässt und nur mit Futter aus eigener Gewinnung füttert. Es macht dann auch Spaß, die Qualität in der Pfanne und auf dem Teller zu schmecken! Dafür muss man also nicht im Bio-Supermarkt ein kleines Vermögen ausgeben. Fleisch und Wurscht wird ansonsten soweit irgendwie möglich bei einem regionalen Metzger gekauft, der seine Tiere zum Teil selbst aufzieht und schlachtet. Metzgereien, die ausschließlich über die Großmarktschiene einkaufen, meide ich. Der Weg auf Märkte und in die Hofläden lohnt hier insgesamt eigentlich immer. Regional ist immer auch ein Stück Bio. Für mich auch bei Gemüse und Salat. Gerade die Wochen- und Viktualien-/Stadtmärkte bieten hier gute Auswahl. Hier versuche ich ganz klar auch gemäß den Jahreszeiten einzukaufen. Im Winter gibt es dann nun einmal keine frischen Erdbeeren. Mein Weg mit und zu bewusst Einkaufen und kochen beinhaltet immer auch eine den Jahreszeiten entsprechende Küche und eine Küche, die zu allererst den regionalen Möglichkeiten entspricht. Unverfälscht, bodenständig und ehrlich. Von Pseudo-Bio-Vegi-Ersatzprodukten halte ich gar nichts. Ein Huhn ist nunmal nicht aus Tofu, eine Wurst nicht aus Soja, eine Bolognese nicht aus Lupinensamen … und mir und meinem Körper nützt das ganze Bio nichts, wenn der Zuckergehalt oder Anteil an Geschmacks – oder Farbstoffen höher ist, als beim herkömmlichen Produkt, aber dafür „Bio“-Zutaten enthält. Dann muss es eine andere Lösung geben. Im Zweifelsfalle heißt es dann für mich auch, vor Ort beim Einkauf Alternativen zu finden und Rezeptbestandteile einfach auszutauschen. Es muss ja nicht der Edelfisch aus dem Pazifik sein, wenn ich eine Lösung finden kann, bei der ich einheimischen Fisch aus dem Umfeld bekomme. „Bio-Siegel“ und ist also für mich letztlich Orientierung, aber am Wichtigsten ist, dass ich weiß, was drin ist und wo es her kommt. Dann lieber transparent und regional als „Bio“. Manchmal eine schwierige Gradwanderung, aber mit etwas offenen Augen und Ohren und Interesse am Nahrungs- und Lebensmittel machbar.

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Olga Novy

Bio ist nicht gleich Bio

Ich habe öfters schon den folgenden Satz gehört: Bio ist nicht gleich Bio. z.B. von einem Bio Bauern um genauer zu sein. Es soll wohl nicht schwer sein zu schummeln. Die Ernährung der Tiere z.B. kann kurz vor der Kontrolle umgestellt werden. Dann glänzt das Image wieder. Ob das jetzt stimmt, weiss ich aber nicht. Ich bin Landbau ohne jegliche Pestizide oder Antibiotika, mit Freilandhaltung für alle von meinen Großeltern gewöhnt. Man merkt meiner Meinung nach das Ganze im Geschmack der z.B. Gurken und Tomaten. Die Tiere sehen auch glücklicher aus. Lieber also regional zum Bauer des Vertrauens gehen, also hier in HH auf dem Markt, als nur Bio aus dem Supermarkt kaufen. Die Höfe kann man hier ja auch besuchen und hinter die Kulissen schauen. Die Äpfel kann man auch mal während der Saison selbst vom Baum holen, da weiss man genau was man im Korb hat. Siegel schön und gut, wer kann sollte selbst anbauen. Wir züchten bisher nur Kräuter, Chilies und Brombeeren auf den Balkon. Am liebsten hätten wir aber wieder gern einen Garten, wo wir auch Kohl, Möhren, Tomaten u.a. anbauen können. Ran an den Spaten!

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Tommy Hart

Food-Siegel sind Verbrauchertäuschung!

Man braucht sich nur die Standards dieser Food-Siegel durchzulesen, allen voran „Initiative Tierwohl“. Allerdings machen das die wenigsten. So hat das Marktforschungsinstitut Schöttmer herausgefunden, dass das den meisten Verbrauchern „zu viel Text“ ist und „sie es ohnehin nicht verstehen“. Sicher, es gibt „bessere“ Siegel, aber auch die reichen mir bei Weitem nicht. Vertrauen geht anders! Was mich bei meinem Einkauf interessiert, sind Herkunft und Inhaltsstoffe! Bei Fleisch zusätzlich Schlacht- und Zerlegebetrieb. Da kann man nicht schummeln, die Kennzeichnungspflicht ist bindend. Natürlich verstecken sich die, zumeist sehr klein gedruckten, Inhaltsstoffe und Schlacht- und Zerlegebetriebe hinter Zahlen-Buchstaben-Kombinationen, aber mit ein klein wenig Recherche lassen sich diese Codes „übersetzen“ und dann, Internet sei Dank, braucht man nur noch diese Schlagworte oder Firmen in die Suchmaschine tippen und schon fliegen einem sämtliche bekannten Skandale um die Ohren. Viel schlimmer sind allerdings jene kleineren Betriebe, die mit Regionalität, bäuerlicherer Tierhaltung etc. intensive Werbung betreiben und dann wegen der Kennzeichnungspflicht auffliegen. Für mich allen voran „Der Ludwig“, die ehemals kleine Metzgerei im nordhessischen Städtchen Schlüchtern, der sein teures „Luxusfleisch“ u.a. vom umstrittenen Vion-Konzern zukauft. Die Problematik ist klar: Der Verbraucher sieht ein wohlklingendes Siegel und schon ist das Gewissen beruhigt, dabei sind diese Siegel nichts anderes als Marketing-Instrumente. So gesehen: Ja, Food-Siegel beeinflussen mein Einkaufsverhalten. Ich MEIDE sie!

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Und jetzt bist Du dran! Wie ist es bei Dir? Hast Du Vertrauen in die Bio-Siegel? Welche Rolle spielen sie bei Deinem Einkauf? Ich würde mich freuen, Deine Meinung dazu, in den Kommentaren zu lesen.

*Quelle: Foodwatch, Bio-Lebensmittel: Zahlen, Daten, Fakten